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Als Kind mit den Eltern jahrelang Camping im Zelt gemacht reifte nach ein paar Jahre Pause der Gedanke, einen Urlaub mit Wohnwagen zu probieren. Wir kauften einen alten VFW Fogger. Mit der Option der Rückgabe! Meine Frau wollte mit dem "Ding" so nicht in Urlaub. Nachdem die Polster erneuert, der Fußboden ausgetauscht und alle Gardinen ersetzt waren sollte es endlich losgehen. Winterurlaub in der Schweiz.

 

 

Ich hatte Alpträume dass uns der Wohnwagen im Schnee von der Passstraße in den Abgrund reißen würde. So habe ich in Begleitung meines Vaters den Wohnwagen am Nikolaustag nach Splügen in der Schweiz überführt. Dort lagen 20cm Schnee. Wir bauten das Vorzelt auf und dann wieder ab in die Heimat.

Heilig Abend im Kreis der Familie und am ersten Feiertag erst nach dem Mittagessen los. Das war unser erster Fehler. Ankunft in Splügen 21.30 Uhr. Starker Schneefall und ACHTUNG minus 29 Grad. Unser Wohnwagen stand ca. 50 mtr. vom Parkplatz weg und es lagen ca 70 cm Schnee. Meine warmen Winterklamotten waren sicher im Wohnwagen. 

Mit einem kleinen Klappspaten machte ich mich auf den Weg. Normale Schuhe, Wetterjacke und Jeans und ohne Handschuhe. Endlich am Wohnwagen war das Vorzelt unter der Schneelast zusammengebrochen auf der Türe gehängt. Es war schon ein stück Arbeit bis die Türe endlich auf war. Ich hatte gelesen, dass man unter dem Wohnwagen für Luftzufuhr sorgen soll. War durch das Vorzelt erreicht. Dann sollte der Kamin freigelegt werden. Mittlerweile hatte ich über meine gefühllosen Hände die erfrischenden Handschuhe aus dem Wohnwagen gezogen. Wo ist der Kamin? 

Mit dem Rodelschlitten meiner Tochter als Leiter, eine Hand am Wohnwagendach und mit der anderen Hand und Klappspaten nach dem Kamin gesucht. Mit einem leisen PING hatte ich ihn gefunden und gleichzeitig das kleine Dach am Kamin entfernt. Nun schnell den Gaskasten freischaufeln und dann den Ofen an. 

In dem Alten Wohnwagen war noch ein Lämpchen mit Gasbetrieb. Das war vorerst die einzige Lichtquelle.  Meine mitgebrachte Verlängerung passte natürlich nicht weil die Schweizer eigene "Neutrale Steckdosen" haben.

Endlich waren wir alle vier im Wohnwagen versammelt. Der Ofen brummt aber es wird nicht warm. Kondenswasser strömt an allen Wänden herunter. Alle Wäsche in den Schränken triefend nass. Die Babysachen vom Sohn habe ich vor dem Ofen sitzend getrocknet. Die gesamte Familie hat geheult. Bis auf mich. Ich war tapfer und an allem Schuld. 

Am nächten Tag versuchte ich ein Hotelzimmer zu bekommen, jedoch an den Weihnachtsfeiertagen unmöglich. Den Wohnwagen wollte ich warm entsorgen.

Ein Schweizer Nachbar fragte: hennt sie ei prooblem?  Ein Problem? 100.!

Er hat dann geholfen. " zuerst mal oben die Lucke öffnen, dann euern Stecker bei mir mit einstecken,da hängt noch ein Deutscher ohne Adapter" und schon wurde es warm.

Wir hatten dann ganz tolle Bekanntschaften auf dem Campingplatz. Von Wohnwagen zu Wohnwagen durften wir uns ansehen , was unser Alter noch nie hatte. Nach 14 Tagen sind wir Nachhause zu unserem Händler und haben einen neuen Wohnwagen nach unseren Wünschen bestellt. Über 30 Jahre haben wir danach immer unseren Winterurlaub in verschiedenen Wohnwagen in der Schweiz verbracht.

Nun sind wir seit ein paar Jahren im Wohnmobil unterwegs und geniessen Sommer und Winter. Auch bei minus 20 Grad.

Wir können nur jedem Empfehlen, Winterurlaub im Wohnwagen oder Wohnmobil ist durch nichts zu ersetzen.

Viele Grüße

hymerperle

 

 

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